Wir hatten uns rechtzeitig angemeldet, trotzdem waren die T-Shirts in Größe 116 schon alle in Bautzen. Also Mail an die Organisatoren, dass bitte per
Post eins zugeschickt wird. Klappte dann auch. Leider muss man die volle Startgebühr auch für Kinder zahlen (12 EUR p.P.), daher fiel die Entscheidung
leicht, nur zu zweit mit Sören auf dem Tandem zu fahren.
Am 15. früh trafen wir uns mit Bekannten In Dresden am Theaterplatz, um gemeinsam zu starten. Es waren ca. 1500-2000 Radler auf unserer Tour (wir hatten aus
landschaftlichen Gesichtspunkten die 85-Km-Tour genommen), der Start entsprechend voll. Mit dem Tandem ist es bei solchen Massen immer ein wenig schwierig, weil
man eben nicht so einfach ausweichen kann wie andere Räder... Die ersten Kilometer bis Dresden Cotta versuchten wir so weit es geht nach vorne zu kommen, um
am Berg weniger im Gedränge zu sein. Das klappte auch ganz gut und wir hatten bis dato einen Schnitt von über 30 km/h. Dann ging es auf schmalen
Straßen durchgängig bergauf. Ein Mähdrescher, zur falschen Zeit am falschen Ort, verstopfte dann zu Straße und zu beiderseitigem Frust
mußten alle einzeln an ihm vorbeischieben. Vor Wilsdruff die erste Verpflegung, oder sagen wir besser Kontrollpunkt. Wasser gabs kostenlos
(lauwarmes Oppacher), Schorle gegen Coupon, ein winziges Kuchenstück ebenfalls gegen Coupon. Wir hatten pro Person 6 Coupons bekommen... Es gab nirgends
Schatten, an einigen Ständen standen so viele Radler, dass ich gar nicht mitbekam, was es dort gibt... Ich holte Wasser, einen Apfel und zwei Schorle, was
gleich verzehrt wurde. Mangels Schatten (es waren schon über 30 Grad geworden) ging es nach ca. 10 min weiter. Runter zur Triebisch mit über 60 km/h
und mit 8% Steigung wieder hoch. Hier endlich etwas Schatten im Straßengraben und wir verlängern unsere Pause nun hier. Zum Glück haben wir einige
Müsliriegel und Energieriegel mit, nur beim Wasser hatten wir leider zu sehr darauf vertraut, frisches Wasser zu bekommen. Wer einmal warmen Schorle
getrunken hat weiß auch, was ich meine mit "frischem" Wasser. Unsere Trinkflaschen konnte man eigentlich nur noch über dem Kopf entleeren als
Erfrischung.
Durch das Triebischtal runter bis Meissen ging es zügig bergab, der Tacho zeigte schnell einen Schnitt von über 24 km/h an. Die "Verpflegung" in Meissen
war genauso schlecht wie in Wilsdruff, wenigsten 3-4 kleine Sonnenschirme für die ca. 2000 Radler (denn hier kamen auch die Radler der 125-km vorbei). Ein
Coupon pro (lauwarmen) Apfel (scheinbar Discounterware, Reinbeißen und Übelkeit bedingten einander), das Wasser war nun um 12.30 Uhr richtig warm hier
und nur mit Mühe zu schlucken, Schorle ließen wir gleich stehen (abgesehen davon soll man ja bei Hitze und Sport nichts kohlensäurehaltiges
trinken, das war aber beim Veranstalter scheinbar unbekannt oder der Sponsor hatte nichts dergleichen im Angebot...). Die Bananen sahen noch recht unreif
aus, ich versuchte sie gar nicht erst. Dem Straßengraben nach (hier lagen dann häufig angebissene Bananen) waren sie wohl auch nicht so sehr schmackhaft
gewesen. Ist halt ein Unterschied ob Mitglieder eines veranstaltenden Radsportvereins selber backen, Schnitten schmieren und schwarzen Tee mit Traubenzucker und
einer Prise Salz anbieten oder ob ein Großhändler einige Paletten Getränke und Kartons mit Obst am Kontrollpunkt ablädt. Und es ist der
Unterschied, ob für 10.000 Leute gesorgt wird oder für 2000 Teilnehmer (wobei z.B. die Vätternrundan in Schweden mit über 17.000 Teilnehmern
auf einer 300-km-Strecke (!) auch nahezu perfekt abläuft inklusive guter Verpflegung etc). Im nunmehr 12. Jahr des Fahrradfestes sollten langsam Erfahrungen
vorliegen...
Bild Meissen
Die restliche Strecke bis Dresden ging auf teils mäßig befahrenen Straßen (nervig, wenn Autos mit Vollgas überholen und in kleinste
Lücken rechts wieder reinspringen...) ohne jeglichen Schatten nach Dresden rein. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon völlig breit, mir machten 3 kurze
Pausen auf diesem Teilstück. Das Tandem erregte wir immer gute Aufmerksamkeit, vor allem Sören war der Star.
Vor Dresden dann die Konsequenz der schlechten Verpflegung. Mehrere Radler lagen im Straßengraben, völlig ausgepowert umgekippt, im Warten auf den
Rettungswagen. Auf der ganzen Strecke war meines Wissens nichts angeboten worden, was den Elektrolyhaushalt normalisiert. Wäre wahrscheinlich teurer gewesen,
als die eh schon bezahlten Johanniter zu rufen.
Im Ziel gabs für jeden eine Medaillie, und obwohl in der Ausschreibung stand, dass Wasser an allen Verpflegungspunkten kostenfrei ohne Coupon zu haben sei,
mußte man im Ziel am Stand "Verpflegung für Teilnehmer" noch Coupons übrig haben, um Wasser zu bekommen. Oder sich in die langen Schlangen
einreihen, um woanders was zu kaufen (weil viele gar keine Coupons mehr hatten). Organisatorisch eine Nullnummer.
Gesamt sind wir die 85 km mit einem Schnitt von 21.6 km/h gefahren, diverse Schiebestrecken an den Verpflegungspunkten und am Start inklusive. inkl. An-und
Abfahrt zum Start/Ziel waren wir 96 km gefahren, neuer Rekord für Sören (5 Jahre).
Fazit: In einem Satz: Teuer, schlecht organisiert und nicht nochmal. Die Strecke war bis auf den Schluss schön, aber man merkt sehr deutlich, dass die Tour
offensichtlich wirtschaftlichen Interesse eines Veranstalters dient, nicht dem Wohl der Radler. Ein Riesenunterschied zu RTF, die von Vereinen organiesiert sind,
wo in Sachen Verpflegung und Betreuung jeder mitmacht und umsorgt wird, wo das Essen nicht kontingentiert und vor allem viel besser ist (belegte
Brote/Brötschen, verschiedene Kuchen...). Das Engagement der vielen Helfer war einfach sehr beschränkt auf die ihnen zugeteilte Tätigkeit... Und
ein feuchtes Tuch über den Getränkekisten hätte vieles kühler bleiben lassen und somit wahrscheinlich vielen Kreislaufproblemen vorgebeugt.
Das Wort "FahrradFEST" ist einfach falsch, denn bei einem Fest erwartet man, dass die Gäste umsorgt werden. Das war hier trotz des für die Region sehr
hohen Startgeldes (12 EUR, auch für Kinder) defintiv nicht der Fall. Man konnte sich zumindest auf der langen Tour, die wir gefahren waren, weder auf Essen
noch auf Getränke verlassen.
Wir werden in Zukunft das Fahrradfest nicht mehr besuchen, da gibt es deutlich bessere Veranstaltungen, die günstiger und um Welten besser organisiert sind:
Durch die Bucksche Schweiz (Hochenbocka, meist im März), Spreewaldmarathon (April), Seenland 100 (Juli, dieses Jahr zum ersten mal für Radler, wird
aber auch von Hochenbocka betreut) und die klassisch gute Heidenauer RTF (Ende September). Und: Bei vielen RTFs starten Kinder frei, gerade Familien mit Kindern
sind bei Veranstaltungen wir dem Fahrrad"fest" benachteiligt...