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„...guck mal ein Tand...“ klingt es bei Tempo 45 vom Straßenrand an mein Ohr. Wir sind beim Jedermannrennen „ Neuseen-Classics“ über die 30 km Distanz gestartet. Und wir sind das einzige Tandem. Kein normales Tandem, nein, mein 6-jähriger Sohn Sören ist mein „Hintermann“, Stoker genannt. Mit einer freundlichen Ausnahmeregelung des Veranstalters durften wir starten, obwohl das Mindestalter deutlich unterschritten ist. Unsere Vorbereitung beschränkte sich neben den täglichen Fahrten zum Kindergarten auf eine einzige gemeinsame Trainingsrunde und das „Tuning“ von Tandem und Fahrern. Wir schrauben zusammen alle für den Alltag wichtigen, im Rennen aber unwichtigen Teile vom rad wie Schutzbleche, Gepäckträger und Strahler. Schmalere Reifen werden aufgezogen und die leichtesten Trikots ausgewählt. Am Vorabend zieht sich Sören noch einen wackelnden Milchzahn und schneidet seine Zehennägel – jedes Gramm zählt.

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Nun versuchen wir in erster Linie das Tempo zu halten, was vor allem beim Beschleunigen nach Kurven schwieriger ist als bei Einzelrädern. Die Zuschauer feuern uns an, Kinder, Ordner, Rentner..., alle sind begeistert von unserem Gefährt. Die Mitfahrer witzeln schon „Wir müssen uns nur ans Tandem halten, dann sind wir auf allen Fotos drauf...“ Mit einem Tandem zu fahren erfordert eine leicht andere Renntaktik: Sobald es auch nur leicht abschüssig wird, ziehen wir mit Geschwindigkeiten oberhalb der 50 oder 60 km/han Grüppchen anderer Fahrer vorbei, um auf „tandemkritischen“ Streckenabschnitten wieder genügend Windschattenspender zu haben, an die man sich hängen kann. Nach den ersten 10 Kilometern haben wir eine nette Gruppe in unserem Tempo gefunden, die sich gut in der Führungsarbeit abwechselt, aber auch Zeit für ein kurzes Gespräch hat. Sören gefällt es: „Los Papa, schneller, da sind noch welche vor uns!“ Ich fahre mit einem 35er Schnitt schon am Limit, das mangels ausreichendem Training (bei 4 Kindern und Beruf bleiben meist nur 3000 Jahreskilometer) schneller erreicht ist als sonst. Aber für uns geht es nicht um den Sieg. Es ist für uns beide unser erstes Jedermannrennen, nach 2 Jahren RTF’s ein neuer Schritt. Wir wollen vor allem dem Besenwagen entkommen und vor allem nicht letzter sein. Alles andere ist uns fürs erste egal, es soll Spaß machen und vor allem auch für Sören Lust auf mehr wecken. Und dafür sind kurze Jedermannrennen ideal: Knapp eine Stunde im Sattel ist auch für Kinder gut machbar, die Geschwindigkeit ist hoch genug, um das Rennen von Einkaufsfahrten zu unterscheiden und mit einer Vorübernachtung in der Stadthalle mit vielen anderen Fahrern ist schon das ganze drumherum ein Erlebnis.

Inzwischen sind wir in der zweiten Runde bei Kilometer 20 angekommen. Die Geschwindigkeit ist etwas gesunken, aber noch oberhalb der 30 und somit beruhigend weit über der Mindestgeschwindigkeit von 25 km/h. Nun kennen wir die Strecke schon besser und können die Kurven optimaler schneiden, und auch unsere Gruppe, inzwischen angewachsen auf 8 Fahrer, kennt die Kurvenradien des Tandems und kann nun enger beieinander fahren. Sören sinniert von hinten „Wollen wir nicht einfach noch eine Runde fahren?“ Es macht ihm sichtlich Spaß... Auf den letzten 6 Kilometern haben wir Gegenwind. Eine Gruppe von gut zehn weiteren fahren holt uns ein und zerreist unsere Gruppe. Wir halten und an die Hinterräder und ziehen mit nach vorne. Noch haben wir etwas Reserven für einen Schlussspurt. Den treten wir dann ca. 500 m vor dem Ziel an und kommen als erster unserer Gruppe durchs Ziel. Glücklich über unsere eigene Leistung von einem Schnitt von knapp über 33 km/h rollen wir zum Verpflegungsstand. Unser Ziel, nicht die letzten zu sein, haben wir mehr als erfüllt. Und eins stellt Sören gleich klar: Nächstes Jahr sind kommen wir wieder.

Doch er hat noch ein zweites Rennen heute: Das Fette Reifen Rennen. Er ist zwar einer der Jüngsten mit 6 Jahren und ich habe ihn drauf vorbereitet, dass er vielleicht der Letzte wird, aber er will unbedingt starten. Also Devise: Heil ankommen, sturzfrei bis zum Ziel! Transponder an den Lenker und am Start Aufstellung nehmen. Ich habe sein Rad ebenfalls etwas getuned, schmalere Liegerrad-Reifen drauf, fast alles Unwichtige abgebaut... Dann der Startschuss. Sören ist voll eingeklemmt und fährt äußerst defensiv. Nach der Startgeraden ist er vorletzter Fahrer im Feld, doch dann legt er los. Die 3 km sind etwas zu kurz für ihn, seine Stärke liegt auf der Distanz. Fahrer für Fahrer überholt er, bis er mit einem Schnitt von ca. 21 km/h im Ziel ist - mit über 20 Fahrern inzwischen hinter ihm...

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Sörens Rennmaschine

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Bild links: Beim Profirennen sind wir Zuschauer....
Bild rechts: Wer hat die besseren Räder? Team High Road (ehemals Telekom/T-Mobile)