Sanierung Ladislaushof

Die Sanierung des Ladislaushofes

  • Im Jahr 2000 ist der Hof in den Besitz unserer Familie übergegangen. Der Zustand des Hofes lässt sich getrost als abgelebt bezeichnen – alles, was man anfasste, zerbrach oder verpuffte zu Staub. Trotzdem wurde der Hof von Anfang an von uns bewohnt und dann Stück für Stück saniert. Zunächst galt dabei die oberste Priorität dem Ausbau von Arbeitsräumen für das 2001 gegründete Reisedienstleistungsunternehmen Wakiya Tours, um aus dem Erwerb die Sanierungsmaßnahmen finanzieren zu können.
  • Ein zeitgleiches Studium generale im Ökologischen Bauen an der TU Dresden gab Anregungen und Fachkenntnisse, die Sanierung nach baubiologischen und ökologischen Gesichtspunkten umsetzen zu können. Von der Neubauwohnung aus den riesigen Plattenbaugebieten der DDR in eine 250 Jahre alte Bauernkate – das erforderte eine ganze Menge Naivität – sonst hätte man die Finger davon gelassen. Jede nur erdenkliche Fläche und Kante ist krumm und buckelig in so einem Haus und die Jahreszeiten sind noch die Jahreszeiten – d.h., im Winter ist es kalt und kälter, im Sommer wird es heiß im Fachwerk unter dem Dach. Das Plumpsklo befindet sich hinter dem Haus – fast jeden Abend Sternenhimmel inklusive…Ein einziger Wasserhahn im ganzen Haus am Ende einer äußerst maroden Wasserleitung aus dem Hofbrunnen, keine Abwasserleitung, nur ein einfacher Eimer unter dem Wasserhahn – unsere ersten Kinder haben oft genug in unbeobachteten Momenten darin nach – ja wonach eigentlich? – jedenfalls irgendwelchen kindlichen Schätzen gesucht…
  • Der Fußboden und die Wände in der ausgemauerten, ehemaligen Blockstube sind derart verfault, dass die Pilze (die Fruchtkörper, die man sonst im Wald sucht) in unserer Stube gedeihen. An manchen Stellen finden wir beim Abriss in der angeblich 60 cm starken Wand nur noch die innerste und die äußerste Farbschicht – ansonsten ist darin nur ein riesiger Ameisenhaufen verborgen, der den ehemaligen Balken zu diesem grazilen Bauwerk für abertausende Krabbeltiere kompostiert hat. Überhaupt bedeutet das Sanieren alter Bauwerke vor allem mit Überraschungen zu leben – leider öfter negativ als positiv. Und so ersetzen wir nach und nach nicht nur die Blockstube und entscheiden uns für die traditionelle Holzbauweise, sondern auch den Anbau, die Decken und den Fußböden, die Dächer, die Stromleitungen und die Wasserleitungen, den Verputz und schließlich die Farbe, bauen eine Pflanzenkläranlage und richtige Öfen. Nach 4 Jahren haben wir sogar ein richtiges Bad (obwohl, die wöchentlichen dampfenden Bäder in der Zinkwanne auf dem Hof hatten auch ihren Reiz bei Mondenschein unter Fledermaussegeln…), müssen das Wasser von den inzwischen unzähligen Windeln, dass hinter der Waschmaschine in einem Bottich aufgefangen wird, nicht mehr per Hand hinter dem Haus auf die Wiese kippen und zum Abwaschen nicht mehr den alten Abwaschtisch ausziehen, in deren Schüssel wir Wasser einfüllen, das vorher mit dem Wasserkocher erwärmt wurde und mit dem dritten Kind kommt sogar eine Spülmaschine ins Haus… Die sonst so selbstverständlichen Erleichterungen im Haushalt lassen manches im Alltag zeitsparender werden, auch wenn die Lebensintensität vorher eigentlich nur noch vom zelten überboten werden konnte. Die ausgesprochen starke Arbeitsintensität auf dem Gebiet des Reisebüros und auch mit der wachsenden Kinderschar zwingt zu mach einem Kompromiss…
  • Schließlich wird noch ein Teil der Ställe und Scheunen zu Wohnfläche umgebaut – immer häufiger haben wir Besuch auf dem Hof aus aller Herren Länder. Diese vor allem jungen Menschen wollen Erfahrungen sammeln und reisen und teilen auf diese Weise eine Zeit lang unser Leben auf dem Hof und auch unsere Arbeit.

 

    • Umgebindehof – die bäuerliche Bau- und Lebensweise der Oberlausitz
    • Der Ladislaus ist ein typischer Umgebindehof – einer der nördlichsten der Lausitz überhaupt. Das heißt, dass das bäuerliche Leben und  Wohnen in einer Blockstube von aufeinander gesetzten Balken stattfand. Die reicheren Häuser hatten auf dem Umgebinde den separat stehenden 2. Stock mit einem großen Schlafraum zur Verfügung – bei den ärmeren Häusern trug das Umgebinde gleich das Dach, was noch vor bis zu 100 Jahren in der Regel mit Stroh gedeckt war. Gleich im Nachbardorf gibt es ein noch mit Strohdach erhaltenes Umgebindehaus.
    • Die Küche befand sich im gemauerten Eingangsbereich und war ursprünglich eine Schwarzküche – d.h., es wurde ein offenes Feuer auf einem gemauerten Sims entfacht, der Rauch zog dann anfangs durch die geöffneten Vorder- und Hintertüren und später durch einen breiten Lehmschornstein, in den der Kaminkehrer von innen zum Reinigen klettern musste, ab. Solch eine alte Schwarzküche kann man im beinahe kleinsten Städtchen Deutschlands, zu dem Cortnitz verwaltungsmäßig gehört, ansehen. Die Rede ist von Weißenberg, das mit dem einzigen Pfefferkuchenmuseum Deutschlands sehr authentisch die Lebens- und Arbeitsweise früherer Jahrhunderte in einer Behausung u. a. mit Schwarzküche vermittelt.
    • Eine Bauernwirtschaft wäre nichts ohne ihre Wirtschaftsgebäude. So befand sich der Stall in den ersten Wirtschaften der Umgebindebauweise gleich neben dem Flur, die ja die Küche beherbegte. Auch befand sich nach Möglichkeit ein Keller unter der Flur und dem Stall, der dann von der Küche aus durch eine Tür zugänglich war. Diese Keller sind meist die ältesten  Teile eines Hauses – denn so oft sich das die Bebauung oberhalb der Erdkante nach Schicksalschlägen (Feuer war bei Strohdächern eine der gefürchtetsten Szenarien, die Hab und Gut vernichten konnte – deshalb wurde dann per kurfürstliche-sächsichem Gesetz die Ausgestaltung von Dächern durch Ziegel durchgesetzt, was zu gänzlichem Verschwinden der Strohdächer in den Dorfbildern führte) oder Modernisierungen auch änderte – der Keller blieb meist da, wo er war. Unser Keller ist demnach bereits einige Jahrhunderte alt und musste in früheren Zeiten auch einen Brunnen besessen haben. Das war nicht schwierig einzurichten, da unter dem Haus ein Bach entlang fließt, der nur durch ein einmal geschachtetes Loch angezapft wurde. Ein großer Vorteil in einem Gebiet, in dem man schon oft bei 60 cm auf gewachsenen Granit stößt…
    • Trocken- und Aufbewahrungräume für die bäuerliche Ernte befanden sich bereits im Obergeschoss des Hauses, gleich gegenüber den Schlafkammern. Getreideschüttböden, Flachs (= Leinen) Trockenkammern etc. befanden sich hier. Meist zugänglich über einen Laubengang, eine Art vorgebaute hölzerne Veranda, zu der eine Stiege ins Obergeschoss führte, weil im Inneren des Hauses kein Platz für eine Treppe vorgesehen war oder dann eben erst auf den Laubengang führte, bevor man die einzelnen Räumlichkeiten im oberen Stockwerk erreichte. Auch unser Haus hat einmal einen solchen Laubengang aufgewiesen. Dieser wurde aber im Zuge der Wohnraumgewinnung im letzten Jahrhundert in fester Mauerbauweise zu kleinen Kammern für die Kinder umgewandelt. Im Cortnitzer Noackhof aber ist solch ein original erhaltener Laubengang noch zu besichtigen.
    • Und sicher gab es immer auch noch eine kleine Scheune für Heu und Stroh, einen Verschlag für dazugekommenes Viehzeug und Schuppen für landwirtschaftliches Gerät und Produktionswerkzeug. Diese Scheunen wurden mit der Zeit immer größer und schließlich wohnen wir heute auf einem Dreiseithof, der sogar ehemals ein Vierseithof war. D.h., die Hoffläche war auf allen 4 Seiten umstanden von Gebäuden. Schließlich hatte jeder reichere Hof ein Ausgedinge für die alten Hofbesitzer, die den Betrieb schon an die nächste Generation übergeben hatten; Kammern für Mägde oder Knechte, für dauerhaft Eingemietete, Wanderarbeiter während der Erntezeit, fahrende Gesellen etc. Alles in allem war damit der Wohnraum pro Kopf in diesen Zeiten sehr gering, bei Tisch mussten die Kinder in der Regel stehen. So kleine Ortschaften oder Weiler wie Cortnitz hatten sehr viel mehr Einwohner als heute, sodass es sogar einen eigenen Bürgermeister und eine Dorfschänke gab. Kein Wunder, dass es in Zeiten der Industrialisierung zu Landflucht und auch Emigration – von Cortnitz aus besonders nach Australien – kam.